Südafrika

< alle Inhalte zu Südafrika

RDP & Korruption

von redakteur

neuigkeit_bild_rechts

Je mehr sich das persönliche Netzwerk ausweitete, desto mehr Informationen über die Thematik wurden mit mir in offenen, vertrauensvollen Gesprächen geteilt. Vertrauen zu den Township-Bewohnern aufzubauen kostet Zeit. Gerade als junge Studentin mit weißer Hautfarbe ist es nicht immer leicht zu erkennen, welche Handlungen der Situation angemessen sind. Die während des ersten Aufenthaltes angeeigneten Sprachkenntnisse in isiXhosa erleichterten die Kontaktaufnahme mit Einheimischen ungemein. Ein reger Austausch war äußerst hilfreich, um zu lernen, Situationen besser einzuschätzen. Das Verständnis der südafrikanischen Mentalität hat sich als eine Grundvoraussetzung für die Interviews als auch für die Interpretation der Ergebnisse herausgestellt. Ich habe versucht, mehrere Sichtweisen in meiner Arbeit zu präsentieren und habe deshalb sowohl mit Bewohnern als auch mit Akteuren im Bereich des sozialen Hausbau gesprochen.

neuigkeit_bild_links

Was in mir Unverständnis und Wut hervorgerufen hat, waren keinesfalls die von mir interviewten Bewohner, sondern die vielen Nutznießer und Unterstützer eines korrupten Regimes, welches Südafrika daran hindert, seine vielen Probleme (Wohnraum, Arbeitsplätze, Bekämpfung von Armut und Kriminalität) langfristig in den Griff zu bekommen. Was den Erfolg von Hausbauprojekten in Südafrika massiv hemmt sind der lang angestaute Frust der Bewohner, die Gewalt und Vandalismus als einzige Lösung sehen, dem System entgegenzusteuern einerseits und ein von Korruption geprägter Prozess des Hausbaus im Rahmen des Reconstruction and Development Programmes (RDP) anderseits. In Südafrika werden kostenlose Unterkünfte an diejenigen Bewohner vergeben, die weniger als umgerechnet 250 Euro im Monat verdienen. Nelson Mandela startete dies zu seiner Amtszeit, um auf die Zwangsumsiedlungen in der Apartheid Ära zu reagieren und der sozialen Ungleichheit durch Bereitstellung von Wohnraum entgegenzuwirken. Ein Großteil der schwarzen Bevölkerung lebt allerdings noch immer in selbsterrichteten Blechhütten, den sogenannten Shacks, da der Bau dieser RDP-Häuser nur langsam voranschreitet.

In den Interviews wurde deutlich, dass die meisten dieser sozial benachteiligten Familien versuchen, alles verfügbare Geld in die Bildung ihrer Kinder zu investieren. Mandela sagte einst, dass Bildung die mächtigste Waffe sei, die Du verwenden kannst, um die Welt zu verändern und ich bin der festen Überzeugung, dass er damit richtig lag. Für zukünftige Forschungsaufenthalte kann ich Folgendes aus den geführten Interviews und der Recherche vor Ort mitnehmen und auch anderen Personen empfehlen, die sich dies vornehmen: Es ist sinnvoll, das bestehende Netzwerk zu nutzen; die Menschen vor einem Interview besser kennenzulernen; dem Gegenüber aufmerksam zuzuhören und ihm genug Zeit zu lassen, um seine Antwort zu formulieren; spontan zu sein und darauf zu verzichten, in Südafrika alles weit im Voraus zu planen; offen zu sein und nicht zu hohe Erwartungen mitzubringen; Rückschläge und verschobene Treffen hinzunehmen und zu lernen, mit ‚African time‘ umzugehen. Wenn jemand von Euch Interesse daran hat, mehr über die in meiner Bachelorarbeit identifizierten Bedürfnisse der Township-Bewohner und Gründe für den Erfolg oder Misserfolg von Hausbauprojekten zu erfahren, kann gerne einen Kommentar mit einer E-Mail-Adresse hinterlassen.

Diese Neuigkeit ist den Themenbereichen Nützliche Informationen, Unterkunft & Wohnen & Leben zugeordnet.

Beitrag weiterempfehlen:

Schreibe einen Kommentar

verfasst von: redakteur

Kontaktiere redakteur per E-Mail: