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Gleichgestellte Gesellschaft?

von redakteur

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Dass in Südafrika in vielen Haushalten Angestellte tätig und die Arbeit am Haus oder Garten oftmals nicht von den (überwiegend weißen) Hausbesitzern selbst erledigt wird ist ein Anzeichen für die große Spanne zwischen Arm und Reich. In den meisten Fällen handelt es sich um einen unterbezahlte Job, der mit monatlich zwischen 150 und 250 Euro vergütet wird… für eine 40-stündige Arbeitswoche. Viel zu wenig, um davon eine ganze Familie zu ernähren, geschweige denn, für eine gute Schulbildung der Kinder zu zahlen. Als ich mein Zimmer in der Studentenunterkunft bezog, war es für mich mehr als ungewohnt, die für uns selbstverständliche Hausarbeit (Bett beziehen, Wäsche waschen, Geschirr spülen etc.) nicht selbst zu erledigen. Ich merkte auch sehr schnell, dass dies gar nicht von mir erwünscht war. Denn ich nahm damit im Prinzip der Hausangestellten ihren Job.

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Die Behandlung dieser Angestellten war zu Zeiten der Apartheid teilweise menschenunwürdig, so berichtete mir meine Vermieterin. Dies wird sich auch nach dem offiziellen Ende der Apartheid vermutlich nicht komplett geändert haben. Als ich mich mit dem Gärtner unterhielt, bemerkte ich deutlich an seiner Haltung, dass er in den vergangenen Jahren vermutlich schreckliche Dinge über sich ergehen lassen musste. Ich fragte ihn nach seinem Namen und er entgegnete, dass ich ihn ‚boy boy‘ nennen könne. Ein Begriff aus Zeiten der Apartheid, der der schwarzen Bevölkerung ihre Minderwertigkeit vermitteln sollte. Er war 43 Jahre alt, hatte diese Zeit also am eigenen Leib erfahren. Auch nach mehreren, offenen Gesprächen, war es ihm nicht möglich, mir in die Augen zu blicken. Aus Respekt vor meiner Hautfarbe. Mir ging dies persönlich sehr nahe, aber ich wusste auch, dass ich diese Haltung nicht innerhalb von einigen Monaten ändern konnte. Er erzählte mir, dass er eigentlich Handwerker von Beruf sei, diese Qualifikation aber nicht auf dem Papier nachweisen könnte, weil er die Fähigkeiten von seinem Vater gelernt hatte. Zudem war ihm der Begriff Lebenslauf fremd und einen Computer habe er noch nie selbst bedient. Die Stellenanzeigen in der Zeitung las er zwar regelmäßig, aber beworben habe er sich noch nie. Deshalb half ich ihm dabei, einen digitalen Lebenslauf zu erstellen. Ob er diesen tatsächlich nutzte, um sich zu bewerben, werde ich wohl nicht erfahren…

Viele weiße Südafrikaner unterstützen ihre Angestellten, wo es nur geht. So war auch das Verhältnis zwischen meiner Vermieterin Susan und der liebenswürdigen Hazel, die schon seit mehr als 25 Jahren bei ihr ist. Sie kauft beispielsweise Schulmaterialien für ihre Enkelkinder oder bereitet ihr morgens ein Frühstück zu. Trotz alledem servierte sie sowohl Hazel, als auch dem Gärtner ihren Kaffee in einer anderen Tasse als sie es für mich tat. Das ist mir zumindest aufgefallen. Auch die Tatsache, dass Hazel ihr Frühstück draußen zu sich nahm, eine andere Toilette benutzte oder dass Susan die Telefonnummer ihres Gärtners unter boy boy eingespeichert hatte deutet darauf hin, dass sich noch viele Dinge ändern müssen, bevor das Wort ‚gleichgestellt‘ überhaupt in den Mund genommen werden sollte.

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